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Cannabis-Arzneimittel vor allem gegen Schmerzen im Einsatz

Cannabis als Arzneimittel wird einer Erhebung zufolge bislang in drei Viertel der FĂ€lle gegen chronische Schmerzen eingesetzt. Weitere hĂ€ufig behandelte Symptome seien Spastik und Anorexie beziehungsweise eine bestimmte Art von Gewichtsverlust (Wasting), teilte das Bundesinstitut fĂŒr Arzneimittel und Medizinprodukte in Bonn mit.

Bezogen auf alle Cannabis-Arzneimittel seien die behandelten Personen im Durchschnitt 57 Jahre alt und in der Mehrzahl weiblich.

Der Einsatz von Cannabis-Arzneimitteln wurde 2017 gesetzlich bei schwerwiegenden Erkrankungen geregelt. Bedingung fĂŒr die Anwendung auf Kassenkosten ist laut Gesundheitsministerium, dass diese Mittel nach Ă€rztlicher EinschĂ€tzung den Krankheitsverlauf spĂŒrbar positiv beeinflussen.

Die vorgestellten Ergebnisse sind Teil eines Abschlussberichts zu einer Begleiterhebung, die der Gesetzgeber beauftragt hatte. In die Auswertung seien seit 2017 anonymisierte Daten zu rund 21.000 Behandlungen eingeflossen, schreibt das Bundesinstitut. Zwar waren Ärzte zur Übermittlung der anonymisierten Daten verpflichtet, jedoch sei dies wegen der weitgehenden Anonymisierung faktisch freiwillig erfolgt.

Gefahr von Missbrauch und AbhÀngigkeit

Das Bundesinstitut wies besonders auf ein Ergebnis bei der Behandlung mit CannabisblĂŒten hin: Das Durchschnittsalter der Behandelten war hier mit 45,5 Jahren vergleichsweise jung, mehr als zwei Drittel waren mĂ€nnlich. Bezogen auf den Gehalt der psychoaktiven Substanz THC wurden sie mit einer vielfach höheren Dosis therapiert und berichteten dreimal hĂ€ufiger von einer euphorisierenden Wirkung. «Die Gefahr von Missbrauch und AbhĂ€ngigkeit bei der Therapieplanung mit CannabisblĂŒten» sollte von Ärzten beachtet werden, erklĂ€rte das Bundesinstitut dazu.

Chronische Schmerzen sind laut der Studie der Hauptgrund fĂŒr den Einsatz eines Cannabis-Arzneimittels. Viele der behandelten Symptome stĂŒnden in Zusammenhang mit einer Tumorerkrankung. «Neben Schmerzen sind dies insbesondere Übelkeit und Erbrechen sowie starker Gewichtsverlust und Appetitlosigkeit», heißt es in dem Abschlussbericht.

Nebenwirkungen seien bei der Therapie vergleichsweise hĂ€ufig, erklĂ€rte das Bundesinstitut nach Analyse der Daten. Jedoch schienen die Nebenwirkungen meist nicht schwerwiegend zu sein, da die Abbruchrate aus diesem Grund vergleichsweise gering gewesen sei. Hauptgrund fĂŒr einen Abbruch sei eine ausbleibende oder nicht ausreichende Wirkung gewesen.

Hinweise zu Anwendungsmöglichkeiten und Nebenwirkungen

Das Bundesinstitut erklÀrte, die Erhebung der Behandlungsdaten aus der Àrztlichen Praxis sei wertvoll, um vor allem Hinweise zu Anwendungsgebieten von Cannabis-Arzneimitteln und zu Nebenwirkungen einer Therapie zu erhalten.

«Zum Beleg der Wirksamkeit und Sicherheit von Cannabis-Arzneimitteln ist die DurchfĂŒhrung klinischer Studien nach internationalen Standards erforderlich», betonte die fĂŒr die Zulassung von Arzneimitteln zustĂ€ndige Behörde. Die Begleiterhebung erfĂŒlle die Anforderungen an eine solche klinische Studie in keiner Weise und sei auch zu keinem Zeitpunkt als solche bezeichnet worden. Positiv sei, dass klinische Studien mit Cannabis-Arzneimitteln in der Zwischenzeit auch in Deutschland begonnen wurden.

Die Ergebnisse sollen dem Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) als eine Grundlage dienen, um unter anderem ĂŒber mögliche Kassenleistungen zu entscheiden.


Copyright 2022, dpa (www.dpa.de). Alle Rechte vorbehalten / Bild: Hendrik Schmidt/dpa/Archivbild
(06.07.2022)


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