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Gew√ľrze - oft auch wirksame Heilmittel

Gew√ľrze Symbolbild

Von Anis bis Zimt: Weihnachtsgew√ľrze sind meist auch wirksame Heilmittel...

Was wir haupts√§chlich aus der Weihnachtsb√§ckerei und festlichen K√ľche kennen, ist meistens mehr als nur reines Gew√ľrz. Anis, Gew√ľrznelken, Kardamom, Ingwer und Co. sind auch Heilmittel und unterst√ľtzen auf vielf√§ltigste Weise unsere Gesundheit:

Welches "Geheimnis" jedes der Weihnachtsgew√ľrze in sich birgt, haben wir hier f√ľr Sie zusammen getragen:

Anis (Pimpinella anisum L.)
Als Anis bezeichnet man die 3 bis 5 mm langen getrockneten Samen eines urspr√ľnglich mediterranen, jetzt auch hier heimischen Doldenbl√ľtengew√§chses. Seine W√ľrz- und Heilkraft verdankt der Anis dem √§therischen √Ėl Anethol, das auch im Sternanis und im Fenchel vorkommt. Das √§therische Anis√∂l entkrampft den Magen und die Darmw√§nde und f√∂rdert die Produktion von Gallenfl√ľssigkeit. Damit wirkt Anis appetitanregend und verdauungsf√∂rdernd, mildert Bl√§hungen und hilft bei Koliken. Bei Husten wirkt Anis reizstillend und schleiml√∂send, er regt Herz und Atmungsorgane an und wirkt ‚Äď auch als R√§ucherung - beruhigend auf die Nerven.

Gew√ľrznelke (Eugenia caryophyllus (Spr.) Bullock et Harrison)
Die Nelken haben den deutschen Namen wegen ihrer Nagelform - mittelalterliche Bezeichnung Negelen - erhalten. Die Gew√ľrznelke ist die getrocknete Bl√ľtenknospe des Gew√ľrznelkenbaumes, der urspr√ľnglich von den Molukken stammt. Gew√ľrznelken enthalten ein √§therisches √Ėl, das antiseptisch, krampfl√∂send und √∂rtlich schmerzbet√§ubend wirkt und vor allem in der Zahnheilkunde eingesetzt wird. Nelkentee soll gegen Erbrechen helfen. Ein Bestandteil des Nelken√∂ls ist das Eugenol, aus dem das k√ľnstliche Vanillegew√ľrz Vanillin hergestellt wird. Der Duft der Nelke soll au√üerdem Insekten fernhalten und wird deswegen bei der Herstellung von R√§ucherst√§bchen verwendet.

Ingwer (Zingiber officinale Roscoe)
Das Gew√ľrz Ingwer - das sind die getrockneten Wurzeln einer bis zu zwei Meter hohen, schilfartigen Staude aus der Familie der Gew√ľrzlilien - stammt aus China. Ingwer hat aufgrund der enthaltenen √§therischen √Ėle und aromatischen Harze nicht nur einen brennend-w√ľrzigen Geschmack und Geruch. Diese Stoffe regen vielmehr die Verdauung an und sollen ‚Äď √§hnlich dem Ginseng ‚Äď vitalisierend und krebsvorbeugend wirken. In der Zeit Karls des Gro√üen gab es zahlreiche medizinische Ratschl√§ge zur Verwendung von Ingwer: zum Beispiel gegen Zahnschmerzen, Magen- und Verdauungsbeschwerden, gegen Schwitzen und Sch√ľttelfrost. Heute wird Ingwer in pulverisierter Form erfolgreich in Medikamenten gegen Reisekrankheit eingesetzt.

Kardamom (Elettaria cardamomum (L.) Maton)
Kardamom ist eine buschig-krautige Pflanze, eine Verwandte des Ingwers. Das eigentliche Gew√ľrz sind die unregelm√§√üig vereckten, graubraunen bis r√∂tlichbraunen Samen von etwa 2-4 mm Durchmesser. Der Name stammt von den griechischen Worten f√ľr Herz und Magen, was auf seine herz- und magenst√§rkende Wirkung hinweist: Kardamom gilt seit jeher als Magenmittel und noch heute ist er in Medikamenten zur Anregung der Magensaftbildung enthalten. Au√üerdem vertreibt das Kauen von Kardamom wirkungsvoll Knoblauch- oder Alkoholfahnen. Im Mittleren Orient w√ľrzt man damit auch seinen Kaffee.

Koriander (Coriandrum sativum L.)
Koriander ist ein Doldengew√§chs aus dem Mittelmeergebiet. Die Fr√ľchte (Spaltfr√ľchte) sind die getrockneten, gelblichbraunen Korianderk√ľgelchen. Der Name Koriander stammt vom griechischen Koris - Wanze. Das kommt vom unangenehmen Geruch des frischen Korianderkrautes. Die getrockneten Gew√ľrzk√∂rner dagegen haben einen angenehmen, milden und aromatisch- w√ľrzigen Geschmack. Koriander gilt heute noch als Arznei gegen Magen- und Darmbeschwerden. Er hat eine appetitanregende und krampfl√∂sende Wirkung und ist deswegen in Magenmitteln zu finden. Das √Ėl wirkt au√üerdem gegen Pilze und Bakterien. In der Volksmedizin setzt man Koriander als Wurmmittel ein.

Muskatnuss und Muskatbl√ľte (Myristica fragans Houtt.)
Von den Molukken, den Gew√ľrzinseln, stammt der Muskatbaum, der bis zu 100 Jahre alt werden kann und vom achten Lebensjahr an Fr√ľchte tr√§gt. Die Muskatnuss sind die Samenkerne der Fr√ľchte, die √Ąhnlichkeit mit unseren Aprikosen haben. Zum W√ľrzen kann man auch die Haut des Samens verwenden. Sie wird als Muskatbl√ľte bezeichnet. Der deutsche Name Muskatnuss entstand aus der lateinischen Bezeichnung nuces moschatae = moschusduftende N√ľsse. Muskatn√ľsse bewirken eine Entgasung des Magens und wirken zuerst leicht stopfend. Erk√§ltungen, Bronchialerkrankungen, Rheuma sowie Gicht k√∂nnen ebenfalls mit einer Prise Muskatnuss behandelt werden. Die heilkundige √Ąbtissin Hildegard von Bingen berichtet von der stimmungsaufhellenden, antidepressiven und anregenden Kraft der Muskatnuss. Gr√∂√üere Mengen jedoch f√ľhren zuerst zu Unwohlsein, dann zu Vergiftungserscheinungen. Ausl√∂ser hierf√ľr sind die im √§therischen √Ėl der Muskatnuss enthaltenen Wirkstoffe Myristicin und Safrol. Muskatnuss verst√§rkt als Narkotikum die berauschende und einschl√§fernde Wirkung von Alkohol und wird - geraucht oder pulverisiert - im westlichen Kulturkreis seit der Hippie-Zeit als legales und preiswertes Berauschungsmittel oder Marihuanaersatz genutzt.

Myrrhe (Commiphora myrrha)
Myrrhe ist das Harz eines am Roten Meer beheimateten bis 3 m hohen dornenbewehrten Bäumchens aus der Familie der Balsamstrauchgewächse. Myrrhe wirkt zusammenziehend, desinfizierend, wundheilungsfördernd und ist Bestandteil der Schwedenkräutermischungen. Seit der Antike ist es ein geschätztes Heilmittel, das auch zu Gottesdiensten und zu magisch-rituellen Handlungen verwendet wurde. Während des Mittelalters wurde das Harz der Myrrhe zu "Pestpillen" verarbeitet, die gegen Seuchen und Infektionskrankheiten eingesetzt wurden. Hildegard von Bingen benutzte die Myrrhe zur Fiebersenkung.

Pfeffer (Piper nigrum L.)
Der Pfeffer ist eine im S√ľdwesten Vorderindiens beheimatete Kletterpflanze. Indisch ist auch der Urname f√ľr Pfeffer: Pipali. Die Perser sagten Pipari, die Griechen Peperi, die R√∂mer Piper. Aus Piper entwickelte sich das Wort Pfeffer. Schwarzer und wei√üer Pfeffer stammen von demselben Strauch. Schwarzen Pfeffer gewinnt man aus den unreifen, noch gr√ľnen Beeren, die nach der Ernte getrocknet werden. F√ľr wei√üen Pfeffer l√§sst man die roten Beeren ausreifen, w√§ssert sie nach der Ernte und entfernt durch Reiben und Sp√ľlen Haut und Fruchtfleisch. Pfeffer wirkt appetitanregend, verdauungsf√∂rdernd, bakterienhemmend, lokal schmerzstillend, fiebersenkend, erk√§ltungslindernd. Er enth√§lt au√üer dem Alkaloid Piperin noch √§therisches √Ėl, verschiedene Harze, St√§rke und fettes √Ėl. Weil das Fruchtfleisch und die Haut der Pfefferbeere beim schwarzen Pfeffer nicht entfernt werden, bleibt der volle Piperingehalt bestehen, so dass der schwarze Pfeffer brennend-scharf schmeckt und st√§rker wirkt.

Piment (Pimenta officinalis Lindl)
Piment bzw. die Gew√ľrzk√∂rner sind die getrockneten braungrauen Beeren (5-7 Millimeter gro√ü) des aus S√ľdamerika stammenden immergr√ľnen Piment- oder Nelkenpfefferbaumes aus der Gattung der Myriazeen. Erst im 17. Jahrhundert wurde Piment in Europa richtig bekannt machte damals dem Pfeffer sogar Konkurrenz. Das Wort Piment stammt von dem spanischen Wort pimienta = Pfeffer. Aus den lanzettlichen, ledrigen Bl√§ttern gewinnt man das √§therische Bay√∂l, das bei der Herstellung von Bayrum, f√ľr Haarw√§sser und K√∂rperpflegemittel verwendet wird. Aus den Beeren erh√§lt man ein verdauungsf√∂rderndes √Ėl, das vielen Lik√∂ren und Kr√§uterschn√§psen zugesetzt wird.

Safran (Crocus sativus L)
Die Safranpflanze ist eine aus Kleinasien stammende Krokusart. Von deren geernteten Bl√ľten werden die orangeroten Narbenf√§den abgeschnitten und getrocknet. Diese kommen entweder als Safranf√§dchen oder pulverisiert in den Handel. Der Name Safran stammt vom arabischen Wort f√ľr "Gelb". Safran hat eine starke Farbkraft: 0,01 Gramm Safran f√§rben drei Liter Wasser gelb. Im Altertum und Mittelalter sch√§tzte man Safran als Medizin, Gew√ľrz und F√§rbemittel hoch ein. Noch heute nutzt man ihn als exquisites Gelb-F√§rbemittel auch f√ľr Backwaren. Au√üerdem wird Safran eine kr√§ftigende, herzst√§rkende, psychoaktive und aphrodisierende Wirkung nachgesagt.

Sternanis (Illicium verum Hook.fil.)
W√§hrend unsere einheimische Anispflanze ein einj√§hriges Doldengew√§chs ist und mehr einer Kr√§uterpflanze √§hnelt, ist Sternanis die Frucht eines immergr√ľnen Magnolienbaumes des fernen Ostens. Sternanis sind die br√§unlichen, rosettenartigen, sternf√∂rmigen Fr√ľchte des Baumes. Diese Fr√ľchte dienen sowohl als Aromatikum als auch als Dekorativum. Sehr selten wird Sternanis als Heilmittel eingesetzt; er hat aber aufgrund seines Inhaltsstoffes Anethol eine bronchialschleiml√∂sende und im Magen-Darm-Trakt krampfl√∂sende Wirkung.

Vanille (Vanilla planifolia Andr.)
Die Vanillepflanze ist eine mexikanische Kletterorchidee, deren Ranken an B√§umen und Pf√§hlen emporklettern. Den mexikanischen Namen Tlilxochitl wandelten die Spanier in Anlehnung an das Wort vainilla = Sch√∂tchen ab. Als Vanille bezeichnet man das Pulver oder ganze Teile der schwarzbraunen biegsamen flachen und etwa 20 cm langen Vanilleschoten. Wirken diese bereift, so handelt es sich um Vanillin-Kristalle, die sich an der Oberfl√§che absetzen. Vanillin ist der Aroma- und Hauptwirkstoff der Vanille. Schon die Azteken schrieben der Vanille eine herzst√§rkende, angst- und erm√ľdungsbeseitigende Wirkung zu. Sie soll auch stimmungsaufhellend wirken, besonders in Einheit mit Kakao. Vanille galt auch l√§ngere Zeit als Aphrodisiakum f√ľr M√§nner und Frauen. Vanillin wird heute aus Eugenol (einem Wirkstoff der Gew√ľrznelke) preiswert k√ľnstlich hergestellt. Doch l√§sst sich echte Vanille nicht einfach durch Vanillin ersetzen. Denn Vanillin ist zwar der wichtigste, nicht aber der einzige feine Aromastoff der Vanille.

Wacholderbeeren (Juniperus communis L.)
Wacholder ist ein zypressenartig wachsendes Nadelgeh√∂lz der lichten Nadelw√§lder, Heiden und Trockenrasenweiden, das den Germanen heilig war. Der Name Wacholder stammt wohl von den althochdeutschen Silben wach = wacker, immerlebend, immergr√ľn und ter = der Baum. Zwei Jahre brauchen die kugeligen schwarzbraunen bis bl√§ulichen Beeren bis zur Reife, sie √ľberwintern also im halbreifen Zustand und werden im n√§chsten Herbst gepfl√ľckt. Der kr√§ftige Wald- und Heidegeschmack der Beeren beruht auf dem hohen Gehalt an √§therischen √Ėlen, Harzen, Bitter- und Gerbstoffen und Zucker. Kneipp empfiehlt sie in seiner "Kr√§uterkur" in verschiedener Form - Wacholder√∂l und -Spiritus als Einreibung und Hautreizmittel bei chronischen Erkrankungen, vor allem der Gelenke, und bei tiefer liegenden Entz√ľndungen sowie gegen Flechten. Innerlich wendet Kneipp das Wacholder√∂l an gegen Magen- und Darmst√∂rungen, √ľberhaupt zur Regelung der Dr√ľsent√§tigkeit und der Magenbewegung, ferner bei Leberleiden, Migr√§ne Herzklopfen. Wacholder f√∂rdert das Abhusten durch seine anregende Wirkung auf die T√§tigkeit der Flimmerh√§rchen in der Lunge, er wirkt auf die Nieren wassertreibend (Bestandteil von Tees bei Entz√ľndungen der Harnwege), hilft bei Gicht und Wassersucht, gest√∂rten Regelblutungen und ist schwei√ütreibend. Die Bl√§tter sind giftig.

Zimt (Cinnamomum cassia Blume) und Ceylon-Canehl (Cinnamomum zeylanicum Blume)
Zimt und Canehl sind beide die von der Au√üenborke befreiten Innenrinden des immergr√ľnen Zimtbaum. Zimt gewinnt man aus der Rinde ausgewachsener B√§ume und wird gemahlen. Ceylon-Canehl schmeckt feiner und exquisiter, wird aus der feinen Rinde von Zimtbaum-Sch√∂√ülingen gewonnen und kommt nur als Stangenzimt in den Handel. Im Altertum wurde Zimt f√ľr die Zubereitung von w√ľrzigen Weinen, √Ėlen und Salben verwendet, heute ist Zimt u.a. eine klassische Gl√ľhweinzutat. Der Geschmack von Zimt ist feurig-w√ľrzig und leicht s√ľ√ü. Ursache daf√ľr ist, dass Zimtrinde bis zu 2,5 Prozent (Canehl enth√§lt sogar bis 4 Prozent) √§therisches √Ėl mit den Hauptkomponenten Zimtaldehyd (65 bis 75 Prozent) und Eugenol (5 Prozent) und daneben Zimts√§ure, Zimtalkohol, dessen Azetat sowie Methoxy-Zimtaldehyd enth√§lt. Sie verleihen dem Zimt√∂l antibakterielle und pilzhemmende Eigenschaften. Dar√ľber hinaus enth√§lt Zimtrinde Zuckeralkohole wie Mannit, die f√ľr den s√ľ√ülichen Geschmack sorgen, sowie bis zu 3,7 Prozent Schleimstoffe. In Kombination setzt man Zimt als Magen- und Darmmittel bei Appetitlosigkeit, leichten krampfartigen Beschwerden im Bereich des Magen-Darm-Trakts, V√∂llegef√ľhl und Bl√§hungen ein.

Wir w√ľnschen Ihnen eine geruhsame und frohe Weihnachtszeit. Und vor allem Gesundheit. Ihre Apotheke.

Quelle: Text: meXXart pohl & veith GbR / Bild: meXXart pohl & veith GbR

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